RADKERSBURG

Da Bluattommerl

Um überhaupt hinter das Geheimnis des Wortes „Tommerl“ zu gelangen (ausgesprochen: TAUOMMAL), bedarf es einer Erklärung der Südost-steirischen Küchen-Terminologie. Es gibt zwei Gruppen von Speisen, die Mehl in der Rezeptur aufweisen, soll heißen – Mehlspeisen.
Schnell und unaufwändig zubereitete Mehlspeisen firmieren unter dem Namen „TOMMERL“.
Im Gegensatz dazu kennt der Südsteirer auch den so genannten „Poggerl“ (ausgesprochen POUGGAL), ebenfalls eine Mehlspeise, aber diesmal ein wenig ideenreicher, aber immer noch von bescheidener Ingredienz.
Dann erst kommen die „feinen“Mehlspeisen, wie Torten oder „ÜBERZOGENE FLECKEN“; wobei die Erklärung der Rezeptur derer bei weitem den vorgegebenen Rahmen sprengen würde.

Soviel nur als Präludium zum Thema.

Es war zu der Zeit als man im ausgehenden Herbst, respektive beginnenden Winters allerorts zur Schlachtung schritt. Selbstverständlich war der richtig Mond der Datumsgeber für den Tag der Schlachtung. Im Gegensatz zu heute wurde ja vom geschlachteten Tier nichts, aber auch gar nichts, als den heute so bezeichneten „Schlachtabfall“ entsorgt.
Die einlagerungs- und verarbeitungsfähigen Teile waren ohnehin ihrer weiteren Bestimmung zugeordnet :Schinken, Speck, Verwurstung. Mit den weniger edlen Teilen (Kopf, Haxl, Schwarten) wurde eine feine Sulz gemacht. Sogar die Borsten wurden für den damals noch agierenden Bürstenbinder (eine sehr staubige Angelegenheit, daher der Ausdruck: Der sauft wie a Bürstenbinder) aufbewahrt.

Selbstverständlich wurde auch das bei der Schlachtung austretende Blut in einem Behälter („Lavur“) aufgefangen und einer weiteren Verarbeitung zugeführt. Sämtliche Innereien, wie Hirn, Leber, Milz, Magen und Beuschel (Lunge und Herz) wurden zu Maischerl oder sonstigen Schlachtschmäusen verarbeitet, zu denen nun besagter „Bluttommer“vollinhaltlich gehört.

Die Rezeptur ist auch für autistische ,grenzdebile, kommunikationsgehemmte, alkoholabhängige und zur Selbstverstümmelung neigende Hobbyköche leicht nachkochbar:

Quellennachweis: www.museum-joanneum.at/

Quellennachweis:www.museum-joanneum.at/

BLUT – MILCH im Verhältnis 1:1,
Majoran,
Pfeffer,
Salz
- u n d –
EIN
Löffel Mehl.

Das ganze in eine flache Terrine geben und bei 150 grad im Rohr lassen, bis die ganze Masse sich verdreifachend über den Rand quillt.

Man möchte mehrerlei Tatsachen nicht für möglich halten, nämlich

  1. wie simpel und einfach die Herstellung ist (siehe oben)
  2. wie gut so etwas schmecken kann
  3. wie sicher es ist, eine derartige Köstlichkeit in keinem noch so angesagten Feinschmeckerlokal zu erhalten, mangels Zugang zu schlachtfrischem Blut.

Jedoch, lieber Leser, sollte es sich in irgendeiner entfernten, noch nicht zivilisationsverdorbenen Länderei ergeben, zu dieser Köstlichkeit Zugang zu erlangen – GREIFEN SIE ZU.

Comments are closed