PALERMO

Wanderer kommst Du nach…… PALERMO

Wenn es Sie einmal in größte und zu unrecht gefürchtetste Stadt Siziliens verschlägt, verabsäumen Sie nicht einen Besuch auf dem herrlich morbiden und scheinbar dem Verfall preisgegebenen VUCCIRIA – Markt. Inmitten der Altstadt, ein Gewirr von Textil-, Schuh-, Gemüse- u. Obstständen, umringt von zahlreichen Wein- u. Schnapsausschankbuden mit abenteuerlichstem Klientel, steht nur vormittags der kurioseste „STANDLER“ des gesamten Marktes.

Auf einem offensichtlich selbstgefertigten Brat- u. Grillgestell, das frappant an ein in der Mitte durchgeschnittenes Ölfaß erinnert (ähnlich den Schlaginstrumenten der karibischen Reggaemusiker) werden in heißem Olivenöl, von dem es auf Sizilien wahrlich genug gibt, mehr oder weniger Schlachtabfälle, ein fürchterliches Wort, sagen wir Schlachtnebenprodukte, gebraten.

Auf meine Frage, was alles da vor sich hinbrutzle – selbst ich als Fleischer konnte nicht auf anhieb erkennen um was es sich im Detail handelte, erklärte er voll Stolz, nur das Beste für diesen Zweck geeignete Material zu verwenden, was da war: Kehlkopffleisch, Milz und Zwerchfell.

Ein etwas korpulenter Herr im besten Alter, also 55+, wartete bereits mit sichtlichem Verlangen auf das Fertigwerden der Köstlichkeit. Selbstverständlich gab es nicht eine Sekunde des Zögerns für mich dem besagten Herrn meine Loyalität zu beweisen, in dem ich mit ihm gemeinsam der Delikatesse harrte. In einem kurzen, durch die bei uns beiden bereits heftigst eingesetzte Lubrifikation erschwerten Zwiegespräch merkte ich, einen interessanten Mensch kennengerlernt zu haben. Es erwies sich, dass a. unsere Eßgewohnheiten von erstaunlicher Ähnlichkeit waren, was mir seine sofortige Sympathie einbrachte, und b. er der pensionierte Polizeichef diese Rayons war, was ihm meine sofortige Sympathie einbrachte.

Endlich war es soweit; selbst die Zubereitung des „curezzi“, der Name des kuriosesten ETHNICFOOD meines Lebens amüsierte mich, anbetrachts der österreichischen Hygienevorschriften. Ein Panino, sprich eine Semmel, wurde wie beim Zubereiten einer Wurstsemmel geteilt, mit einem Schöpfsieb beförderte der gute Mann eine anständige Portion
seines „Eintopfes“ in das geteilte Gebäck, würzte mit einer wahrscheinlich selbstkomponierten Kräutermelange – und dann, aufgepasst, – drückte er die Semmel so fest zusammen, dass eine anständige Menge von Öl zurück in die
Kochvorrichtung floß.

Der Herr Polizeichef, stolz einen ausländischen Mitgourmet gefunden zu haben, was er bei Erwähnung meines Berufes wiederum weniger Erstaunen auslöste, erklärte nun, was ausschließlich zu diesem frugalen Mahl als Getränkebegleitung passen würde, nämlich ein ZIBBIBO, eine autochtone sizilianische Rebsorte, aus der allerdings nur schwerer, süßer Wein gekeltert wird. Als absolut logisch erschien mir dann seine Erklärung, dass die Curezzi – Zibbibo – Kombination selbsterklärend eines nicht zu kleingeratenen Grappas bedarf. Nicht unhöflich sein wollend, war es selbstverständlich, dass eine sofortige Gegeneinladung folgte um der Verdauung auf die Sprünge zu helfen. Nach allerfreundlichster Verabschiedung trennten wir uns und ich mich vom restlichen Tag.

Comments are closed