FLORENZ

Schon der Name der Stadt verheißt dem Besucher Blüte, Pracht und Opulenz, derer man schon beim ersten, nicht tiefer dringenden Spaziergang gewahr wird. Über die kulturelle und architektonische Vielfalt an dieser Stelle zu referieren, wäre angesichts der Hundertschaften von Städteführern, Reisebeschreibungen, Baedekers, Dumonts und wie auch immer gearteter, beschreibender Literatur, ein nahezu hochmütiges Unterfangen.

Nur, egal ob zum ersten oder wiederholten Mal vor dem Dom zu stehen, der nach einer Generalreinigung wie zu Zeiten Brunelleschi´s, Giotto´s und Ghiberti´s sich dem Betrachter präsentiert, verheißt ein optisches Glücksgefühl, dem sich zu entziehen wohl nicht einmal dem größten Banausen gelingen dürfte.

Jedoch – reisen, speziell in der Stadt, macht hungrig und durstig. Neben den vielen, in den oben erwähnten Kompendien empfohlenen Lokalen gibt´s immer wieder was kleines, feines, das zu entdecken mit zur „Eroberung“ einer Stadt gehört. Empfehlungen von Geschäftsleuten, deren Kunde man beim Kauf einer Kleinigkeit, sei es Schmuck, Kleidung oder Schuhe, geworden ist, sind fast immer folgenswert. Nicht die Restaurants und Pizzabuden an den touristischen Hauptschlagadern sind es meistens, was man sucht, sondern Osterien und Trattorien, wo der Florentiner isst.

Ich will nicht auftrumpfen, aber zwei, nicht Lokale, sondern Lokalitäten werden Sie vielleicht nicht so leicht finden:

Eines ist eine kleine Weinschenke hinter der Kirche Orsanmichele, die eine gigantische Auswahl an Weinen bietet. Aber – getrunken muß auf der Straße werden, weil hinter dem Tresen nur max. 1,5 Quadratmeter Arbeitsfläche, inklusive Küche in der Größe eines Schneidbrettes, aus der hervorragende Pannini vielerlei Art zum Verzehr gereicht werden, zur Verfügung stehen.

Die zweite, nicht minder kuriose Lokalität ist in der Nähe des Lungarno, genauer gesagt, in der Via De´Neri, zu finden.
Doch ACHTUNG:
Wer dort zu speisen beabsichtigt sollte mit Termini wie LAMPREDOTTO, MUSETTO, NERVETTI, BUDELLINA oder zumindest TRIPPE FIORENTINE vertraut sein, um zu ahnen wohin die kulinarische Reise führt. Eines kann ich Ihnen versichern, wenn Sie als Nichtflorentiner bzw. Nichttoskaner bzw. Nichtitaliener bzw. als erkennbarer Tourist dort einkehren, geniessen Sie die vollste Aufmerksamkeit, aber auch Zuvorkommendheit sowohl der Wirtin als auch dem Rest der, sagen wir- mitunter- kuriosen Gäste.

In meinem Fall erwies sich die Zuvorkommendheit der Wirtin darin, dass ich auf die Frage nach einem Getränk einen Krug in die Hand gedrückt bekam mit der Aufforderung, ich möge mir selbst vom Weinfass nehmen, soviel ich wolle,
was wiederum die Entscheidung, ob ein oder zwei BICCHERIE ungemein erleichterte.

Derart gestärkt war es nahezu eine Selbstverständlichkeit den Besuch der UFFIZIEN auf den nächsten Tag zu verschieben.

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